Österreich

Armenier in Österreich -

vom Mittelalter bis heute

Razmik Tamrazian-Hartunian

Berühmte Armenier in der Geschichte österreichisch-armenische Gemeinde

 Einzelne Armenier gab es in Österreich seit dem Mittelalter, einige von Ihnen waren im Dienste des Hofes. Im 17. Jh. war Vardapet Nerses als Hofkaplan tätig, im 18. Jh. diente Augustionis Aghamaljan als Dolmetsch am Hof. Zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia, im 17. Jh., gab es schon eine armenische Gemeinde. Bei der damaligen Volkszählung in Wien wurden auch die Namen der sich in Wien befindlichen Armeniern festgehalten. Insgesamt waren es 21 Familien.

 

Am Ende des 17. Jhs. wohnte in Wien Johannes Diodato (mit armenischem Namen hieß er Hovhannes Astouatzatur oder Astouatzaturian, 1640-1725). Historische Forschungen der letzten Zeit haben ergeben, dass er das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet hat (1685).

 

Ein wichtiger Grund für die Einwanderung der Armenier nach Österreich im 19. Jh. nach Wien waren die 1810 nach Wien geflohenen Mechitaristen Patres, ein Zweig der Mechitaristenkongregation in Venedig, die bestimmte Reformen ablehnte.
 
Am Ende des 19. Jhs. unterrichtete Karapet (Garabed) Kuyumdjian Altarmenisch und Arabisch an der Kaiserlichen Universität Österreichs. Zatik (Sadik) Poppowitsch war ein Teppichhändler. Der persische Botschafter in Österreich war auch armenischer Abstammung, Neriman Khan.
 
Der bei den Österreichern beliebte und berühmte Arzt Stephan Avedik (1804-1884) wohnte im 15. Bezirk Wiens, nach ihm wurde dann auch die Avedikstrasse benannt (1894). Nach dem 1. Weltkriegt haben sich viele armenische Familien aus den verschiedenen Teilen des Osmanischen Reichs – Westarmenien, Iran, Bulgarien, Rumänien und Polen - in Österreich angesiedelt. Seit diesen Zeiten führten sie berühmte Teppichfirmen und waren in Österreich als „vertrauenswürdige und ehrliche Kaufleute“ bekannt.
 
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs nahm Raoul Aslan (1886-1958), einer der wenigen in Wien verbliebenen Burgschauspieler, die Position des Burgtheaterdirektors ein. Mit seinem Namen ist die Wiederbelebung und der Erfolg des Burgtheaters verbunden. Heute findet man seine Büste in der Eingangshalle des Wiener Staatstheaters (Burgtheater), beerdigt ist Raoul Aslan auf dem Grinzinger Friedhof (Wien, 19. Bezirk).

 

Wiederherstellung der Armenischen Gemeinde in Osterreich

 In den 1950er Jahren kamen viele armenische Studenten aus Iran, den USA, Griechenland, der Türkei und den arabischen Ländern nach Österreich, um an der weltberühmten Universität zu studieren. Einige von ihnen beschlossen nach dem Studium, sich hier niederzulassen.

 

In den 1960er Jahren ziehen viele armenische Familien aus der Republik Türkei mit Erlaubnis Österreichs als „Gastarbeiter“ nach Österreich.
 
Seit 1967 haben die Vereinten Nationen einen ihrer drei Sitze in Wien. Hier waren in den letzten Jahren in verschiedenen Positionen (vom Leiter bis zum Bote) von 50 bis 60 Armenier tätig. Sie sind mit eigenen Familien aus verschiedenen Ecken der Welt nach Wien umgezogen.
 
Der größte Zustrom von Armeniern nach Österreich kam während der zweiten Hälfte der 70er Jahre. Die Übersiedler stammen hauptsächlich aus dem Libanon und Iran, aufgrund der dortigen unstabilen politischen Situation. Anfang der 90-er Jahre kamen viele Armenier aus den ehemaligen sowjetischen Republiken, wie Armenien, Georgien, Russland und Aserbaidschan nach Österreich.
 
2017 schwankt die Anzahl der Armenier in Österreich zwischen 6 und 7 tausend, die meisten von ihnen sind in den Bereichen Gesundheit, Wissenschaft, Bauwirtschaft, Rechtswesen, Musik, Verlagswesen, Medien, und Kunst beschäftigt. Die überwiegende Mehrheit der Armenier wohnt in der Hauptstadt Wien und in Umgebung (Baden bei Wien, Wiener Neustadt usw.), eine kleine Anzahl von Armeniern sind in Graz, Salzburg, Linz, Klagenfurt, Innsbruck und in den anderen Städten angesiedelt.
 

 

 

Armenische Kirchengemeinden in Österreich

 Die Armenisch-katholische Gemeinde

 Die Mechitaristenkongregation ist ein wichtiges wissenschaftliches Zentrum für den Erhalt der geistlichen Werte der armenischen Kultur. Die Mechitaristen sind bekannt auch für ihren Beitrag zur Armenologie. Das Kloster und die Kirche der Mechitaristenkongregation befinden sich in Wien, im 7. Bezirk. Im Jahr 2011 wurde das Jubiläum „200 Jahre Mechitharisten in Wien“ würdig begangen, was die Mechitaristen zur ältesten „ausländischen“ Kirchengemeinde Österreichs macht. Der Orden verfügt über eine bedeutende Bibliothek, in der rund 2.600 armenische Handschriften verwahrt werden. In der Bibliothek des Mechitharistenklosters befindet sich auch die größte und älteste armenische Zeitschriftensammlung. Das Klostermuseum birgt auch die weltweit größte Sammlung armenischer Münzen. Besonders sehenswert ist die reiche Bildersammlung mit Werken armenischer Künstler und ganzer Malerfamilien. Somit illustriert das Klostermuseum mit den Ausstellungen von seltenen Exponaten den Stellenwert der armenischen Kultur.

 

1992 wurde Pater Paulus Kodjanian zum Generalabt der Wiener Mechitaristenkongregation ernannt. Im Jahr 2000, anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Gründung und nach 227-jähriger Trennung, vereinigten sich die Mechitharisten von Wien und Venedig wieder zu einem einzigen Orden. Das Generalat und der Generalabt residieren in Venedig. Das Haupt der Wiener Mechitaristenkongregation ist der Abt Paulus Kodjanian.

 

 

 

Die Armenisch-apostolische Gemeinde

 Die Armenisch-apostolische Kirche in Österreich hatte immer ihre geistige und weltliche Verwaltung mit Sitz des Patriarchaldelegats und des Priesters in Wien. Hier befindet auch der Kirchenrat der armenisch-apostolischen Gemeinde Österreichs.

 

Die wachsende Anzahl der Armenier in Österreich wirkte sich positiv auf die wichtigste und größte Aufgabe der österreichischen Gemeinde aus – auf die Bewahrung armenischer Identität. In dieser Hinsicht bekam die Erneuerung oder Begründung öffentlicher, sozialer oder kultureller Organisationen und die Tätigkeit der armenischen Apostolischen Kirche höchste Priorität. Infolgedessen wurde das nationale Leben der armenischen Gemeinde Österreichs noch lebendiger.
 
Um die Jahreswende 1912-1913 gelingt es der „Kirchengemeinschaft“ der reorganisierten armenisch-apostolischen Kirchengemeinde Österreichs, eine kleine Hauskapelle einzurichten. Die Initiative ging auf einige Armenier unter der Führung des nach Wien eingeladenen Priesters Aristakes Fesslian aus Suczawa (Rumänien) zurück. Aristakes Fesslian brachte auch viele Kirchenutensilien aus Suczawa mit, die bis heute in Verwendung sind.
 
Da während des Ersten Weltkriegs die armenisch-apostolische Gemeinde von Suczawa so gut wie unorganisiert war, könnte die Hauskapelle in Wien, die den Namen des heiligen Erlösers (armenisch Surb Prkitsch) trug, in der Nachfolge der armenischen Kirche von Suczawa angesehen werden. Aus Rumänien kam im Jahre 1923 der Priester Jeghische Utudjian nach Wien, der später zum Vardapet geweiht wurde. Er betreute seelsorgerisch die österreichischen und deutschen armenischen Gemeinden 35 Jahre hindurch und war ein wichtiger Bewahrer des armenischen Volkstums. Nach dem Tod des Vaters Yeghishe Utudjian bleibt die armenische Gemeinde in Wien mehrere Jahren ohne einen ständigen Priester, für die Durchführung religiöser Zeremonien und Feiern werden Kirchenleute aus anderen Ländern eingeladen. In den Jahren 1959-1961 wirkte Vardapet Mesrob K. Krikorian als Gastseelsorger in Wien, 1962 wurde er zum ständigen Pfarrer bestellt.
 
Im Jahr 1964 wurde das Haus in der Kolonitzgasse 11, im dritten Wiener Gemeindebezirk und das dazugehörige Grundstück mit Spenden einiger Wiener Armenier gekauft. Die Absicht war, im Hof die erste Kirche der armenisch-apostolischen Gemeinde Wiens zu bauen. Im selben Jahr, durch die Vermittlung S. H. Katholikos Vasken I, stiftete Frau Rose Tricky aus London, eine in Smyrna geborene Armenierin mit dem Mädchennamen Hripsime Haladjian, in Erinnerung an ihre Eltern, die Baukosten der neuzubauenden St. Hripsime-Kirche (Architekt Eduard Sarabian, Jerewan). Der Bau beginnt im 1965 und dauert bis 1968. Die feierliche Einweihung der Kirche St. Hripsime fand am 21.4.1968 durch S. H. Katholikos Vasken I statt.
 
Im 2013 ernannte S. H., der Oberste Patriarch und Katholikos aller Armenier Garegin II, Archimandrit P. Dr. Tiran Petrosyan zum Stellvertreter Patriarchaldelegaten der Armenisch-Apostolischen Kirche für Mitteleuropa und Schweden mit Sitz in Wien, in der Nachfolge des ehemaligen Patriarchaldelegaten Bischof Haigazoun Najarian. Der Archimandrit wurde im Jahre 2014 in der Mutterkirche St. Etschmiadzin durch S. H. Karekin II., des Obersten Patriarchen und Katholikos aller Armenier, zum Archimandrit geweiht.

 

 

 

Die Selbstorganisation der österreichisch-armenischen Gemeinde

 

Im 1981, durch die Bemühungen des Gemeinderates der Armenischen-Apostolischen Kirche Österreich und als Fortsetzung der ursprünglich vom Kirchenrat und dann von der Österreichisch-armenische Kulturgesellschaft organisierten privaten und regelmäßigen armenischen Sprachkurse, wird die Hovhannes Schiraz-Schule als derzeit einzige Samstagsschule der Gemeinde gegründet.
 
Mit dem Ziel der Unterstützung des nationalen Gemeindelebens, der Förderung der jungen Generation und der Verbindung zwischen dem Armenien, Arzach und der armenischen Diaspora gibt es in Österreich eine Reihe von NGOs und Verbänden, wie den Allgemeinen Armenischen Wohltätigkeitsverein/Zweig Österreich (gegr. 1910/1960), die Armenische Studentenvereinigung Österreich (ASV) (gegr. 1921/1960), die Österreichisch-Armenische Kulturgesellschaft (gegr. 1974), das Armenien Fond Österreich-Komitee (gegr. 1992), den Armenischen Allgemeinen Sport- und Pfadfinder Verein Wien (H.M.E.M., gegr. 1989) und den Armenischen Sportverein Ararat (gegr. 1983/2009).
 
Diese Aktivitäten hat die Botschaft der Republik Armenien in Wien, die unmittelbar nach der Unabhängigkeit Armeniens in Wien eröffnet wurde, unterstützt. Seit 1992 spielt die Botschaft eine wesentliche Rolle im kulturellen, sozialen, wissenschaftlichen Leben der armenischen Gemeinschaft Österreichs als eine Brücke zwischen der armenischen Diaspora in Österreich und Armenien, und macht die Stimme der österreichischen Armenier bei den armenischen Behörden hörbar.

 

  

Die wichtigsten armenischen Denkmäler in Österreich

 

In Jahre 1984 wird dank der großzügigen Spende des Wohltäters Garbis Papazian und spontaner materieller Unterstützung durch österreichische und ausländische Landsleute im Innenhof der Kirche St. Hripsime ein Denkmal zum Gedenken der Opfer des Völkermords an den Armeniern errichtet (Gestaltung: Dipl. Ingenieur Razmik Tamrazian-Hartunian).
 
Im 1986 gelingt es der Österreichisch-Armenische Kulturgesellschaft einen wunderschönen armenischen Kreuzstein auf das Grabmal von Johannes Lepsius, dem treuen Freund des armenischen Volkes zu stellen, mit väterlichem Segen von S. H. Vasken I der Katholikos aller Armenier.
 
Dank den Bemühungen der Österreichisch-Armenischen Kulturgesellschaft wird im Jahre 1994 während der weltberühmten Ausstellung „Mini Mundus“ in der Stadt Klagenfurt, Österreich, eine Miniatur der Echmiadzin-Kathedrale (in Maßstäbe 1/25) errichtet, dann wurde im Jahre 1998 ein Denkmal für Franz Werfel (Architekt Roland Martirosyan, Jerewan, Bildhauer Vahan Petrosyan, Jerewan) am Schillerplatz in Wien errichtet. Im Jahre 2004, mit der Unterstützung des Wiener Rathauses, wurde im 4. Wienbezirk ein Park nach dem Gründer des ersten Wiener Kaffeehaus Hovhannes/Johannes Astouatzatur als Johannes-Diodato-Park eröffnet.
 
Im Jahr 2011 wird in der Aula der Technischen Universität Graz eine Tafel als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung seitens der Universität zum höheren Studium gelangten armenischen StudentInnen enthüllt.

 

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